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Die Teekultur in England und Irland

Tee vereint englische und irische Kultur

In ReisenTee-Wissen |

On 27. Januar 2020

Teekultur in England und Irland verbindet eine lange Geschichte, die viel zu oft nicht besonders harmonisch verlief. Jedoch eint eines diese beiden Länder: Der tiefe Sinn dafür, wann es Zeit ist, sich gemütlich zurückzulehnen und eine gute Tasse Tee zu genießen. Spricht man von Teekultur „Teatime“, schweifen automatisch die Gedanken hin zu stilvollem Ambiente, Ruhe, Gelassenheit und eleganten älteren Damen sowie gestandenen Herren in edlem Tweed.

Doch bedeutet Teatime sehr viel mehr als uns dieses Klischee vorspielen möchte. Die Zeit der Ausgeglichenheit und britische Teekultur ist ein fester Bestandteil jener britischen Lebensart, die auch im Ausland so viele Freunde gefunden hat. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte hat sich eine Tradition der Teepause entwickelt und ist mittlerweile so fest verwurzelt, dass selbst junge Leute in England und Irland nicht darauf verzichten möchten.

Die Teatime ist zu einem wichtigen Kulturgut geworden. Ein Kulturgut, das auch Bewohner anderer Länder so stark zum Nachahmen anregt, dass es zum Exportschlager geworden ist.

Ein Toast auf Lady Braganza!

Teezeremonien in gepflegten Gärten und imposanter Landsitzen

Der Gattin von King Charles II, Katharina von Braganza, sollen die Engländer und Iren den Teegenuss zu verdanken haben. Denn sie war es, die den Tee in die Salons bis hin zum Landadel brachte. Und von dort aus begann das aromatische Getränk seinen Siegeszug bis in Städte und Dörfer Englands und Irlands. Doch sollte es einige Zeit dauern, bis auch die einfachsten Landarbeiter oder Wäscherinnen in diesen Genuss kamen.

Für das Kulturgut der Engländer wurde Tee als Luxus Produkt aus China importiert. Er musste also einen weiten Weg zurücklegen und war dadurch für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich. Doch überall begannen wohlhabendere Menschen, dem Beispiel Lady Braganzas folgend, zum Tee einzuladen. Die britische Teekultur begann. Alle wollten zeigen, dass sie ihn sich leisten konnten und niemand wollte hintenan stehen. Die Teatime setzte sich in der britischen Oberschicht sehr schnell durch, denn sie war sehr gut vernetzt. Zur Sommerzeit wurden Teezeremonien in den gepflegten Gärten imposanter Landsitze abgehalten. Man spielte Cricket, die Damen übten sich in Smalltalk und die Herren erklärten sich die Welt.

Geschichte des Earl Grey Tees

Es waren friedliche Momente an idyllischen Plätzen über den der Hauch eines edlen Earl Grey zog. Und wer die englischen oder irischen Täler, Flussufer und Parks kennt, kann sich diese Szenerie ausgezeichnet vorstellen. Im Winter zog es die Herrschaften an die Kamine in den Salons und Clubs. Dort war es still. Niemand hatte es eilig und es galt als unerhört, wenn jemand diese Ruhe störte. Nur leise Worte schwirrten durch die Räume, unterbrochen lediglich von dem kaum wahrnehmbaren Geräusch, das beim Abstellen einer Teetasse auf ihrer Untertasse erklingt. Es wird erzählt, dass sogar Personal abgestellt wurde, um auf die Ruhe zu achten und Wiederstöße zu ahnden, wobei sie nicht einmal vor den eigenen Arbeitgebern haltmachen sollten.

Der britische Premierminister Charles Grey, (1833) war bereits zu damaliger Zeit ein Fan von Tee und jener Politiker unterstütze die Import Aktivitäten der Engländer. Auf einer Schifffahrt zwischen England und China herrschte ein großer Sturm und die transportierte Ladung wurde stark durch einander geworfen. So vermischte sich ausgelaufenes Bergamottöl mit den Tee Blättern. Das war der Ursprung des heute weltberühmte Earl Grey Tees.

Der Weg zum Himmel führt an der Teekanne vorbei.

Englisches Herrenhaus mit Kamin Zimmer
Im Winter zog es die Herrschaften an die Kamine

Entdecke Irland, du guter Tee!

Im Zuge dieser Entwicklung entstanden nach und nach auch in den Städten, Dörfern und selbst in kleinen Siedlungen Teehäuser und Tea Gardens, in denen Tee angeboten wurde. Anders als in den Clubs, der den Herren vorbehalten blieb, waren dort auch Frauen zugelassen. In dieser Zeit entwickelte sich auch die Tradition des Tanztees. Denn diese Tea Gardens und Teehäuser erwiesen sich als sehr lukrativ auch für Musikanten, Maler und Dichter. Dieses Geschehen blieb nun auch den Arbeitern und Bauern verborgen. In den Tea Gardens wird getanzt, die Teekultur in England ist etwas „nobler“ als die in Irland.

Aber wer kann besser zum Tanz aufspielen als ein Ire, der die Musikalität und den Tanz mit der Muttermilch aufgesogen hat? Ebenso waren es irische Erzähler, die ihre Geschichten mit kräftiger Stimme vertrugen. Neu erschlossene Routen, bessere Straßen und modernere Transportmittel machten zu dieser Zeit den Tee immer günstiger. Schon bald konnten sich immer mehr Menschen dieses Getränk leisten. Tee wurde zu dem verbindenden Glied zwischen den Gesellschaftsschichten sowie zwischen England und Irland.

Niemand kann heute sagen, wie weit die Streitigkeiten zwischen diesen Ländern ausgeufert wären, hätte es nicht diese kleinen Blätter gegeben, die heißes Wasser zu einem Wohlgenuss machen. Die Tea Gardens und Teehäuser hatten ihre regelmäßigen Öffnungszeiten. Tee wurde zu einem Bestandteil der Tagesplanung. Man verabredete sich zu bestimmter Zeit an einem bestimmten Ort. Die Teatime zog auch bei der Bevölkerung ein. In der Landbevölkerung und in der Arbeiterschicht zwar sehr viel schlichter, aber dennoch mit ansehnlicher Beachtung.

Stiefel mit verschmutzten Sohlen werden bitte nicht unter den Tisch gestellt. Etwa in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte sich aus dieser Teatime dann eine eigenständige Mahlzeit. Denn es waren vor allem die Bauern und Arbeiter, die um diese Uhrzeit ein wenig Nahrung gut vertragen konnten. Viele von ihnen waren zur Teatime schon gut zehn Stunden aktiv. Auch im neunzehnten Jahrhundert begann sich Großbritannien von dem Import des Tees aus China abzuwenden. Dies hatte überwiegend wirtschaftliche Gründe.

Es war lohnenswerter, die Pflanzen selbst in den eigenen Kolonien anzubauen. Nun entstanden in Indien kräftige Teesorten. Und dies verwurzelte den Tee noch tiefer in die britische Kultur, denn Indien betrachteten die Briten als ihr Eigentum und somit war auch der Tee ihr eigenes Erzeugnis. Ein Produkt des Nationalstolzes für groß und klein, für Arm und Reich. Dies war jedoch ein Nationalstolz, den die Iren schwer teilen konnten.

Dies mag ein Grund dafür sein, dass sich auch heute noch die irische Teekultur offener und ungezwungener zeigt, als die englische.
Eine wichtige Tradition in Irland ist es, die Hintertür des eigenen Hauses nicht abzuschließen, damit auch ein Nachbar schnell in die Küche gehen kann, um sich einen Tee zu kochen. Vor allem dann, wenn der Weg zum eigenen Haus zu weit ist und die Zeit drängt. Denn die Teatime ist einzuhalten! Wer also in Irland lebt, sollte niemals unbedacht und unbekleidet vom Bad in die eigene Küche schlendern! Entdecke Irland bedeutet hier auch, Irland entdeckt dich!

Mehr Teekultur in England und Irland oder sag niemals nur Tee!

DARJEELING FTGFOPI PUSSIMBING
Dukehouse DARJEELING FTGFOPI PUSSIMBING

Festlandeuropäer können da schon manchmal verwirrt sein. In England und Irland wird nicht nur nach Teesorten, also nach Earl Grey, dem überwiegend in England getrunkenen Tee oder Darjeeling unterschieden, sondern auch nach den Zeiten und Anlässen. Die Teekultur in England und Irland unterscheidet sich also doch maßgeblich.

So gibt es den Early-Morning-Tea, der am frühesten Morgen schon vor dem Frühstück und oft noch im Bett getrunken wird, oder den Reception-Tea, der bei Empfängen zusammen mit Fingerfood oder warmen Keksen gereicht wird. Und selbstverständlich gibt es den berühmten five o‘ clock Tea. Doch auch bei diesem Nachmittagstee muss unterschieden werden. Am einfachsten ist da noch der Light-Tea, zu dem Scones, das sind spezielle kleine Brötchen, gereicht werden. Etwas mehr Aufwand verlangt der Cream-Tea, der zusätzlich nach Clotted Cream und Jam verlangt.

Eine sehr gehobene Form des Nachmittagstees ist der Royal Tea. Hier gesellen sich zu den Knabbereien auch noch Champagner oder Sherry. Der Royal Tea nimmt sehr viel mehr Zeit in Anspruch. Dieser wird nicht an Teetischen serviert, sondern gleich am Esstisch des Hauses, auf dem schon das Abendessen wartet. Hier entwickelt sich immer wieder die Debatte, ob zuerst der Tee oder die Milch in die Tasse gegossen werden soll.

Tee wird mit Milch getrunken um die Bitterstoffe des Tees zu neutralisieren. Hier haben sich die Lager Mif (Milk in first) und Tif (Tea in first) entwickelt. Für den Geschmack mag dies egal sein. Zum einen spielt die Optik eine große Rolle. Es kann sehr hübsch aussehen, wenn sich die Milch im Tee verteilt und zarte Wölkchen bildet. Ein weiterer Grund, der für Milk in first spricht, ist der Schutz des empfindlichen kostbaren Porzellans. Dieses ist jedoch in Irland seltener in den Häusern zu finden.

Doch was auch immer Engländer oder Iren bevorzugen. Eine britische Teezeremonie ist immer sehr stilvoll. Manchmal still und fast meditativ, manchmal gediegen und sehr bodenständig. Aber immer absolut friedlich und genussvoll. Mehr Informationen zu Schwarzem Tee finden Sie hier:
SCHWARZER TEE – DAS ROTE UND GESUNDE KOFFEINWUNDER

Last modified: 27. Januar 2020

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