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Französische Tee Kultur an der Côte d’Azur erleben

Französische Tee Kultur an der Côte d’Azur erleben

In Reisen |

On 7. Februar 2020

Wenn man die Lavendelfelder der Provence hinter sich gelassen hat und weiter gen Südwesten fährt, kommt er irgendwann: der Moment, in dem am Horizont zwischen den braunen Berghängen und der tiefgrünen Vegetation das azurblaue Meer erscheint.

Kontraste sind es, die das Leben an der Côte d’Azur bestimmen. Das Meer mit seinen Kiesel- und Sandstränden und im Hinterland zerklüftete, wilde Berglandschaften prägen das Bild. In Städten wie Monaco, Nizza oder St. Tropez pulsiert das Jetset-Leben der Reichen und Schönen. Aber entlang der Küste und in abgeschiedenen Tälern im Hinterland findet man auch immer noch urige, kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Diese Gegensätzlichkeit ist wohl auch der Grund, warum viele bekannte Künstler an der Südwestküste Frankreichs sowohl Ruhe als auch Energie und Inspiration für ihr Schaffen fanden. Doch die Côte dAzur ist noch so viel mehr und hält auch für Teeliebhaber einige spannende Geschichten und faszinierende Erlebnisse bereit. Auch wenn Tee in Frankreich nicht den gleichen Stellenwert hat wie Kaffee, konnte sich in vielerlei Hinsicht eine französische Teekultur mit interessanten Facetten entwickeln.

Das Land des Genusses entdeckt die Tee Kultur

Abseits der großen Städte und Hotspots trifft man noch auf das ursprüngliche Gesicht der Côte d’Azur. In den kleinen Dörfern an der Küste und im Bergland geht es beschaulich zu. Siesta, eine Partie Boules oder eine Runde Karten bei einer Tasse Schwarztee mit Milch gehören hier zur Lebensart. Den Rhythmus eines Ortes bestimmen aber die Markttage. Der Wochenmarkt ist das pulsierende Herz vieler Dörfer. Die Menschen kommen hier zusammen und tauschen beim gemütlichen Einkauf den neuesten Klatsch und Tratsch aus.

Macaron und Tee mit Milch, so lieben es die Franzosen

Danach geht es in ein Bistro, Café oder Salon de Thé, um eine kleine Pause einzulegen und sich vom anstrengenden Einkauf zu erholen. Neben dem in Frankreich allseits beliebten Kaffee pflegt man an vielen Orten in Südfrankreich auch eine entspannte Teekultur. Ihr Ursprung liegt wohl in der geschichtlichen Verbundenheit Frankreichs mit den nordafrikanischen Maghreb-Ländern.

Der kleine Tee-Salon Des Cotés Cafés im beschaulichen Küstenort La Ciotat ist so ein typischer Ort zum Verweilen und Entspannen. In mittelalterlicher Altstadtkulisse liegt der Salon de Thé an einem kleinen Platz mit einem Brunnen und darum angelegten Steinsitzbänken. Gesäumt von zwei Schatten spendenden Bäumen, werden hier bei schönem Wetter vor dem Tee-Salon kleine Holztische und Stühle aufgestellt. Die Tagesangebote sind mit Kreide auf einer Schiefertafel angepriesen und große, rote Sonnenschirme bieten Schutz vor der heißen Mittagssonne. Der Platz ist ein beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt und so sitzt man am frühen Abend oft inmitten des flanierenden Stroms von Einheimischen und Touristen. Am Nachmittag geht es hier aber noch ruhiger zu. Nach einem ehrgeizig ausgefochtenem Boules-Spiel genießt man hier dann gerne einen Grüntee oder Schwarzen Tee mit Milch und dazu köstliche petits fours oder Kuchen.

Eine Französin soll angeblich dafür verantwortlich sein, dass viele Briten Milch in ihren Tee geben. Die Marquise de la Sablière soll zu Zeiten der Regentschaft des Sonnenkönigs Luis IV erstmals Milch in ihren Tee gegeben haben. Sie hatte nämlich Angst, dass die heiße Flüssigkeit ihre empfindlichen Porzellantassen zum Bersten bringt. Tee in Frankreich auf diese Weise zu trinken gehörte bald zum guten Ton. Schließlich übernahmen auch die Briten diese Praxis, die bis heute fest in ihrer Teekultur verankert ist.

Den Tag in entspanntem Trubel ausklingen lassen

Am Abend füllt sich in vielen der Küstendörfer die Uferpromenade mit Menschen und ein entspanntes, geselliges Treiben nimmt seinen Lauf. Viele der Restaurants stellen dann ihre Tische heraus und platzieren auf schönen Stofftischdecken das Gedeck für das Abendessen. Genuss gehört zur Lebensphilosophie vieler Franzosen und auch die Menschen an der Côte dAzur erfreuen sich am „Leben wie Gott in Frankreich“.

Leben wie Gott in Frankreich

Leckerer Fisch aus dem Meer und dazu ein gutes Glas Rosé-Wein aus der Region stehen an der Côte hoch im Kurs. Wenn einem dann noch der Mistral-Wind die laue Abendluft durchs Haar streicht, fällt das Genießen in dieser Atmosphäre nicht sehr schwer. Für gewöhnlich schließt man das Abendessen mit einer gemischten Käseauswahl ab.

Anstatt wie zum Frühstück oder nach dem Mittagessen einen Kaffee zu trinken, bevorzugen es viele Franzosen nach dem Abendessen noch einen Kräutertee (franz.: infusion oder tisane) zu genießen. Kräutertee enthält im Gegensatz zu Kaffee nämlich kein Koffein und ist so ein bekömmlicher und beruhigender Begleiter in die Nachtruhe.

Ein Besuch bei den Helden der französischen Tee Kultur

Die Côte d’Azur hat für die jüngere Geschichte von Tee in Frankreich eine besondere Bedeutung. Ganz im Südwesten der Côte, rund 20 Kilometer von Marseille entfernt, hat die Teekultur in Frankreich im Mai 2014 einen Sieg errungen. Die Belegschaft einer Teefabrik in Gémenos wehrte sich damals erfolgreich gegen den Beschluss der Konzernmutter die Fabrik zu schließen.

Seitdem verwalten die „Tee-Rebellen von Gémenos“ die Fabrik in Eigenregie als Genossenschaft Sop-Ti (Société Coopérative Ouvrière Provençale de Thé et Infusions). Mit einer eigenen Teemarke vertreiben sie Tee aus nachhaltig und biologisch bewirtschafteten Anbaugebieten. Die Kollektive verkauft auch Bio-Kräutertee, der aus Lindenblüten der Provence regional hergestellt wird.

Wie die meisten Franzosen sind auch die Einheimischen an der Côte d’Azur Lokalpatrioten. Und so findet man entlang der Südwestküste Frankreichs mittlerweile viele Supermärkte und Wochenmärkte, die Produkte der Genossenschaft anbieten. Besonders auf den Märkten besteht oft die Chance, den Tee auch zu probieren. Und bei einer Tasse Kräutertee, vielleicht sogar aufgegossen mit Lindenblüten aus der Region, kommt man schnell ins Gespräch mit anderen Marktbesuchern.

Lindenblütenernte in der Provence – ein duftendes Erlebnis für Groß und Klein

Als Teeliebhaber kann man in einem, im Vergleich zur Côte d’Azur, etwas zentraler gelegenen Teil der Provence der alljährlichen Lindenblütenernte beiwohnen. Im Frühsommer werden die Blüten der Linde von Freiwilligen in der Region Les Baronnies gepflückt. Auch als Tourist ist man willkommen, tatkräftig bei der Ernte mitzuhelfen. Die ganze Region ist zu dieser Zeit auf den Beinen. Eine tolle Gelegenheit, um schnell mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und so mehr über Land und Leute zu erfahren.

Lindenblüten ausgelegt zum trocknen

Überall liegt der wunderbare Duft der Pflanze in der Luft. Die Blüten sind auf unter den Bäumen ausgebreiteten Tüchern zum trocknen sortiert. Die gesamte Dorfgemeinschaft hilft mit und es herrscht ein unermüdliches und geschäftiges Treiben. Zwischen den Arbeitenden toben die Kinder umher und bewerfen sich unter dem Geschimpfe der Erwachsenen mit den Blüten. Schließlich helfen sie aber dann doch mit, die Ernte auf Traktoren und Lastwagen zu verladen. Auf den Anhängern sitzend geht es dann zurück ins Dorf. Die Blüten trocknen schnell. Nach getaner Arbeit wird dann immer zusammen gefeiert. Zum Abschluss der Ernte findet das Fest der Lindenblüten statt. Auf dem Lindenblütenmarkt werden die Blüten unter lautem, aufgeregtem Getöse versteigert und dann unter anderem zu Arznei und Tee verarbeitet.

Kräutertee ist bei Franzosen sehr beliebt. Blätter, Fruchtteile und Blüten der Pflanzen beinhalten wohltuende Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. So setzen viele Franzosen bei Erkältungen, Unruhe und Schlafstörungen auf eine Tasse Lindenblüten- oder Hibiskustee. Die darin enthaltenen ätherischen Öle lindern die Beschwerden und der betörende Duft des Tees hebt schnell das Wohlbefinden. Ein Säckchen der eigenen Ernte sollte daher im Reisegepäck den Weg mit nach Hause finden.

Die Côte d’Azur – ein Zauber, der nie mehr verfliegt

Ja, viele der Klischees über die Côte dAzur stimmen – im Guten wie im Schlechten. Atemberaubende Landschaften, malerische Altstädte, hervorragendes Essen und Trinken. Die Côte ist aber auch überteuert, an vielen Küstenabschnitten verbaut und vielerorts mit Touristen überfüllt. Doch wer das azurblaue Meer einmal erblickt hat, wird von einem Zauber gefangen, der nie mehr vergeht. Und diese Magie wird vor allem von den Menschen getragen, die hier seit Jahrhunderten eine ganz eigene Lebensart kultiviert haben. Auch die französische Tee Kultur hat sich hier in Blickrichtung zur nordafrikanischen Küste entwickelt. Die Einheimischen im Sonnenuntergang beim Boule-Spiel mit einem guten Schwarzen Tee zu beobachten – dieses Bild wird auch noch lange nach dem Besuch der Côte d’Azur wohlig warm im Herzen weiterleben.

Last modified: 10. Februar 2020

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